Vorhofflimmern – eine „rhythmologische Volkskrankheit“

 

Vorhofflimmern ist bei weitem die häufigste Herzrhythmusstörung und mit erhöhtem Risiko für Herzschwäche und Schlaganfall verbunden. Durch eine frühzeitige Diagnose und auf den individuellen Patienten zugeschnittene Therapie können diese Komplikationen weitgehend verhindert werden. Mit der Katheterablation von Vorhofflimmern (Pulmonalvenenisolation) steht uns eine sehr effektive Behandlungsmethode zu Verfügung.

 

Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung mit absolut unregelmäßigem – und oftmals auch sehr raschem –  Herzschlag, ist bei weitem die häufigste Herzrhythmusstörung. Bei über 80jährigen ist ca. jeder fünfte betroffen, das Risiko im Laufe des Lebens an Vorhofflimmern zu erkranken beträgt etwa 22%. Auch immer mehr jüngere Menschen unter 45 Jahren haben Vorhofflimmern. Diese Rhythmusstörung ist mit einem fünffach erhöhten Schlaganfallrisiko und einem dreifach erhöhten Risiko für Herzschwäche (Herzinsuffizienz) verbunden und führt auch sehr häufig zur Notwendigkeit eines Spitalsaufenthaltes (1).

Die Ursachen für Vorhofflimmern sind zumeist multifaktoriell, d.h. mehrere Faktoren müssen zusammentreffen, damit es zur Herzrhythmusstörung kommt. Risikofaktoren sind neben dem Alter vor allem ein schlecht eingestellter hoher Blutdruck, der das Herz belastet. Weitere Faktoren sind Übergewicht, zuwenig oder zuviel Sport (Extremsport), Stress, exzessiver Alkoholkonsum und genetische Faktoren (familiäres Vorhofflimmern, 2).

Die beste Vorbeugung sind ein gesunder Lebensstil, Gewichtsreduktion, regelmäßige, jedoch nicht zu intensive körperliche Betätigung (Laufen, Walken, leichtes Gewichtstraining), Techniken zum Stressabbau (Meditation, Yoga, Bewegung in der Natur) und eine gute Einstellung eventuell vorhandener Risikofaktoren (wie z.B. Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit).

Bei über 65jährigen empfiehlt die ESC (europäische kardiologische Gesellschaft) zumindest regelmäßige Pulskontrollen durch den Arzt, um unbemerktes Vorhofflimmern aufzudecken(1).

Wenn man einen unregelmäßigen Puls oder Herzklopfen verspürt, oder gar verminderte Belastbarkeit oder Atemnot an sich feststellt, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, damit die entsprechende Diagnostik eingeleitet wird. Vorhofflimmern kann man mit einem EKG oder Langzeit-EKG diagnostizieren. Viele Patienten spüren das Vorhofflimmern sehr stark und sind dadurch in ihrem täglichen Leben deutlich eingeschränkt, andere bemerken nahezu keine Symptome, oder sie geben unspezifische Beschwerden wie innere Unruhe, Nervosität oder Schlafstörungen an. Die Rhythmusstörung kann anfallsweise (paroxysmales Vorhofflimmern) auftreten oder andauern (persistierendes Vorhofflimmern).

Dass das Vorhofflimmern nicht unbemerkt bleiben soll, ist vor allem wichtig, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Durch die unregelmäßige Flimmerbewegung des linken Vorhofes, der nicht mehr effektiv arbeitet, kann es zur Bildung einen Blutgerinnsels kommen, das sich lösen, im Gehirn ein Gefäß verstopfen und damit einen Schlaganfall auslösen kann. Je mehr Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen ein Mensch hat und je älter er ist, umso höher ist auch das Risiko bei Vorhofflimmern einen Schlaganfall zu erleiden. Bei den meisten Patienten mit Vorhofflimmern ist daher eine Blutverdünnung (orale Antikoagulation) die wichtigste Maßnahme, um einer Gerinnselbildung und damit einem Schlaganfall wirksam vorzubeugen. Dabei kommen Marcoumar, Sintrom oder die neuen Blutverdünner (Pradaxa, Xarelto oderEliquis) zum Einsatz. Eine Einstellung auf eine Blutverdünnung erfordert eine gute Zusammenarbeit und Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient.

Weitere Therapiemaßnahmen sind Wiederherstellung des gesunden Herzrhythmus (Sinusrhythmus) mit Medikamenten (Rhythmuskontrolle) oder einer sogenannten Kardioversion (Stromimpuls über den Defibrillator in Kurznarkose), oder falls dies nicht gelingt zumindest eine Senkung des zu hohen Pulses (Frequenzkontrolle). Bei Vorhofflimmern mit zu langsamem Puls kann eventuell ein Herzschrittmacher erforderlich werden.

Die modernste und wirkungsvollste Behandlung des Vorhofflimmerns ist jedoch die sogenannte Katheterablation (sogenannte Pulmonalvenenisolation, 3), wo die Auslöser des Vorhofflimmerns (Extraschläge/-systolen aus den Lungenvenen) ausgeschaltet werden. Je frühzeitiger diese Behandlung erfolgt, das heißt je weniger die Erkrankung fortgeschritten ist, umso höher sind die Erfolgsaussichten. In vielen Fällen kann vor allem bei anfallsartigem (paroxysmalem) Vorhofflimmern eine vollständige Freiheit von Rhythmusstörungen erzielt werden, nach 5 Jahren sind fast 80% der Patienten noch im Sinusrhythmus (4). Auch wenn eine vollständige Heilung nicht möglich ist, kann zumeist die Häufigkeit und Schwere der Anfälle auch bei schon fortgeschrittenem Krankheitsverlauf deutlich reduziert werden. Die Katheterablation erfordert einen Spitalsaufenthalt von etwa 3-4 Tagen und wird in leichtem Dämmerschlaf durchgeführt. Vorher sind eine ausführliche Aufklärung des Patienten und einige Voruntersuchungen notwendig. Die Katheter werden über die Leistenvenen zum Herzen vorgeführt, zwei Katheter werden durch die dünne Trennwand zwischem rechten und linken Vorhof in den linken Vorhof eingeführt (durch eine sogenannte transseptale Punktion). Anschließend werden die beiden Lungenvenenpaare, die das Blut aus der Lunge in das Herz zurückbringen, mit dem Ablationskatheter umrundet. Über dessen Spitze wird das Gewebe darunter mit hochfrequentem Wechselstrom verödet und somit eine elektrisch dichte Linie um die Lungenvenen (Pulmonalvenen) gebildet. Damit wird  den Auslösern (Extraschlägen) des Vorhofflimmerns der Weg in den Vorhof abgeschnitten.Die Katheterablation wird in Wien in vielen großen Schwerpunktkrankenhäusern, darunter auch der Krankenanstalt Rudolfstiftung (Team für Rhythmologie) angeboten.

Nach dem Eingriff ist eine Schonung für 1-2 Wochen erforderlich, eventuell vorhandene Rhythmusmedikamente können meist nach spätestens 3 Monaten abgesetzt werden. Die Blutverdünnung muss bei Patientem mit hohem Schlaganfallrisiko beibehalten werden, bei niedrigem Risiko kann sie unter Umständen nach einer 7-Tage-EKG Kontrolle wieder weggelassen werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Vorhofflimmern heutzutage gut behandelbar ist, dass die Risiken, die mit Vorhofflimmern verbunden sind, bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung  gut in den Griff gebracht werden können, und dass bei den meisten der Patienten der gesunde Rhythmus (Sinusrhythmus) wieder hergestellt werden kann.

Literatur:

1   Guidelines der European Society of Cardiology: 2012 focused update of the ESC Guideslines for the Management of atrial fibrillation

2   Wasmer et al: The young patient with asymptomatic atrial fibrillation: what is the evidence to leave the arrhythmia untreated? Eur Heart J. 2014

3   Hakan Oral et al Circumferential Pulmonary-Vein Ablationfor Chronic Atrial Fibrillation N Engl J Med 2006;354:934-41.

4   Ouyang et al: Long-Term results of Catheter Ablation in Atrial Fibrillation. Circulation 2010